Die Durchsetzungsinitiatve ist ein Angriff auf das Kindeswohl

Maria Teresa Diez Grieser arbeitet als Psychologin am Zürcher „Marie Meierhofer¬ Institut für das Kind“; ihr Arbeits- und Forschungsschwerpunkt liegt bei kleinen Kindern in belasteten Lebenssituationen. Sie erlebt die Folgen, die Rechtsunsicherheit und Angst für Kinder aus Familien mit unklarem Aufenthaltsstatus haben, in ihrer psychotherapeutischen Praxis u.a. bei Kindern von SansPapier.

 

Was sind die Folgen der Durchsetzungsinitiative für Kinder?

« Gerade für kleine Kinder ist es sehr wichtig, dass sie eine Bindung zu Erwachsenen aufbauen können, die verfügbar, vertraut und verlässlich sind. Wenn ein Kind eine solche wichtige Bezugsperson wegen einer Ausschaffung verliert, kann das einen negativen Einfluss auf seine Entwicklung haben, und zwar nicht nur auf sozialer und emotionaler Ebene, sondern auch in Bezug auf seine kognitive Fähigkeiten. »

Was bedeutet die Durchsetzungsinitiative für Kinder aus (möglicherweise) betroffenen Familien?

Die Auswirkungen der Initiative sind nicht erst bei einer Ausschaffung belastend. Die Rechtsunsicherheit sowie ein unsicherer Aufenthaltsstatus belastet die Eltern und lösen Ängste aus. Infolge sind die Eltern emotional weniger verfügbar und sie sind teilweise so eingeschränkt, dass sie weniger gut für die eigenen Kinder sorgen können. Diese elterliche Belastung überträgt sich häufig auf die Kinder und kann deren Entwicklung und Lernfähigkeit beeinträchtigen.

Wie könnten wir diese negativen Folgen für die Kinder vermeiden?

Wir wissen aus der Forschung längst, dass es sich in Bezug auf den späteren Lebensweg lohnt, den Kindern und Jugendlichen möglichst gute Entwicklungsbedingungen zu bieten. Die Initiative verstärkt aber deren Belastung und bewirkt so das Gegenteil – ausgerechnet bei Kindern und Jugendlichen, die aufgrund ihrer Vorgeschichte besonders verletzlich sind.»

• Maria Teresa Diez Grieser, Psychologin, Dr. phil.; Fachpsychologin für Psychotherapie FSP; Forschungsverantwortliche am Marie Meierhofer Institut für das Kind, Zürich, u.a. Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Vereins Kinderanwaltschaft Schweiz.