Will kommen. Willkommen – Aufruf von Kirchen und Kanton Luzern

Am 18. September 2016 feiern wir, wie immer am 3. Sonntag in diesem Monat, den Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag. Kirchen und Kanton Luzern stellen dieses Jahr ihre gemeinsame Aktion unter das Motto «Will kommen. Willkommen». Diese thematisiert die zwei Seiten des Willkommens – wir wünschen uns, an den Orten, an die wir kommen, willkommen geheissen zu werden. Auf der anderen Seite kommen Menschen zu uns, ohne zu wissen, ob sie uns willkommen sind. Gehen und Kommen, willkommen sein und willkommen heissen sind miteinander verbunden. Der Bettag soll Gelegenheit bieten, beide Seiten zu bedenken. Ob und wie wir willkommen heissen, was kommt, liegt in unseren Händen.

Die drei Landeskirchen und der Regierungsrat haben den Bettagsaufruf gemeinsam verfasst. Auch in diesem Jahr wird er von der Islamischen Gemeinde Luzern mitunterzeichnet. Sie alle laden dazu ein, dieses Motto in die Gestaltung der Feiern zum Bettag aufzunehmen.

Der Bettagsaufruf im Wortlaut:

Aufruf zum Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag vom 18. September 2016

Will kommen. Willkommen

Willkommen – «Wir begrüssen Sie und freuen uns, wenn es Ihnen bei uns gefällt. Sollte Ihnen etwas fehlen, melden Sie sich einfach.» Und: «Ihre Meinung ist uns wichtig.» – Auf solche Art wünschen wir uns doch, willkommen geheissen zu werden. Im Hotelzimmer unseres Ferienziels. Zu einem Kurs. Einer Versammlung. Gar in einem Gottesdienst und als Stimmbürgerin und -bürger.

Und ich will kommen. Zur Erholung oder zu einem Tapetenwechsel, auch zum Beten, weil mir der Alltag über den Kopf wächst. Weil ich mich auf eine Weiterbildung freue und froh bin, diese Möglichkeit überhaupt zu haben. Und ich will kommen, weil meine Stimme zählt und ich der Aufforderung gerne folge, zu wählen und mitzuentscheiden. Ich gehöre dazu und bin gefragt, weil dies in unserer Staatsordnung so verankert ist. Einer Ordnung, die den Menschen grösstmögliche Freiheit zugesteht und sie ausgewo¬gen mit Rechten und Pflichten ausstattet. Einer Gesellschaft, die mich willkommen heisst und leben lässt.

Doch auch er will kommen. Der Unbekannte, womöglich Ungewollte, der Fremde. Der Asylsuchende, den seine Familie für ein Leben anderswo bestimmt hat; in einem ande¬ren Land, in dem Recht und Ordnung herrschen, Leben geschützt wird. Mehr noch: Wo Möglichkeiten bestehen, das eigene Leben zu gestalten.

Auch sie will kommen. Die ganze Familie, das Jüngste noch ein Säugling, die zwei Grösseren können immerhin schon selber gehen. Dabei wollten sie gar nicht gehen, aber die Eltern hatten beschlossen, diese Strapazen auf sich zu nehmen; sie hofften, es werde in dem anderen Land besser sein. Vor allem für die eigenen Kinder – nicht in ständiger Angst sollten diese weiterleben müssen, vom Krieg um die eigene Zukunft gebracht werden.

Gehen und Kommen sind miteinander verbunden. Menschen machen sich mit dem Mut der Verzweiflung auf den Weg, ohne zu wissen, ob man sie irgendwo willkommen heisst. Das bewegt uns und macht uns mitunter Angst.

Willkommen! Willkommen? Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag ist Gelegenheit, beide Seiten zu bedenken. Dankbar für die Möglichkeiten zu sein, die dieses Land mir bietet, in das ich ohne mein Zutun geboren wurde. Mir anderseits bewusst zu werden, dass Viele solche Möglichkeiten nicht kennen – ohne eine Wahl zu haben.

Ob und wie wir willkommen heissen, was kommt, liegt in unseren Händen. Eine Möglichkeit ist, sie einander zu reichen.

  • Regierungsrat des Kantons Luzern
  • Römisch-katholische Landeskirche des Kantons Luzern
  • Evangelisch-Reformierte Kirche des Kantons Luzern
  • Christkatholische Kirchgemeinde Luzern
  • Islamische Gemeinde Luzern

Materialien

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  • Das Plakat zur Bettagsaktion 2016 von Kirchen und Kanton wurde vom Luzerner Grafiker Claudius Bisig gestaltet.
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