Mut und Kraft. Theologie in Afrika am Beispiel von Tansania

Am 17. Juni fand in Sursee die OeME-Weiterbildung zum Thema Theologie in Afrika statt.
Pia Moser, die 4 Jahre im Auftrag von mission21 am Moravian Theological College in Tansania unterrichtete, gab uns Einblick in das Land Tansania, in ihre Arbeit am College und in die Lebens- und Glaubenssituationen der Menschen dort.

„Wer keinen Mut hat zum Träumen, hat auch keine Kraft zum Kämpfen“ – dass diese Afrikanische Weisheit kein leeres Sprichwort ist, hat Pia Moser immer wieder erfahren. Zum Beispiel bei einer Tansanischen Freundin von ihr, eine der wenigen Frauen, die Theologie studierte. Ihr Traum war die Ordination, welche bisher den Frauen verweigert wurde. 7 Jahre lang musste sie warten, bis sie endlich an ihrem Ziel war. Ohne ihren Mut zum Träumen hätte sie nie die Kraft gehabt, durch zu halten und dafür zu kämpfen.
Pia Moser machte uns auf eindrückliche Weise klar, wie wichtig in Tansania eine gute diskursiv und exegetisch theologische Ausbildung ist. Denn die afrikanische Gesellschaft ist sehr hierarchisch strukturiert, so steht in der Kirche die Pfarrperson an oberster Stelle. Sein Wort (z.B. Predigt) und seine Person würden nie in Frage gestellt werden.
Theologie in Afrika sollte zudem in die Lebenswelt der Menschen hinein reden und traditionelle Werte und Bräuche mit berücksichtigen, denn: „Europe is not enough“ – d.h. Europäische Theologie reicht nicht in Tansania. Die Bibel mit ihren Geschichten ist dieser Lebenswelt sehr nahe, so nehmen die Menschen dort die biblischen Geschichten eins zu eins wörtlich. Ihr Glaube hat etwas mit ihrem unmittelbaren Leben zu tun.
Drei traditionell in der tansanischen Gesellschaft verankerte Bräuche/Werte, die sich ebenfalls in der Biblischen Welt und im Christentum wiederfinden, sind: Gastfreundschaft, Gemeinschaft und Gegenseitigkeit. Ganz nach afrikanischer (und biblischer!) Tradition erzählte Pia Moser uns konkrete Geschichten zu jedem dieser drei Werte: ein Stück gelebtes Christentum, das uns berührte und unseren Horizont erweiterte.
Ursina Parr-Gisler