Von Nachbarinnen, Flusspferden und Salat. Oeme-Weiterbildung 2011

„Was hat die Vielfliegerei meiner Nachbarin damit zu tun, dass die Flusspferde den Bauern am Niger den Salat wegfressen?“ Das war eine der Fragen, über die die rund 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der OeME-Weiterbildung vom 27. Juni im Gemeindehaus Würzenbach diskutierten und auch ins Schmunzeln kamen. Die Auflösung des Rätsels bot der Dokumentarfilm „Der Niger-Fluss stirbt“. Der Gemüsebauer und ehemalige Fischer Alfari erzählt von den Folgen der Versandung des Flusses und analysiert glasklar und ganz nebenbei Ursachen und Folgen nationaler und internationaler Politik – und das alles in 7 Minuten. Der kleine Film zeigt exemplarisch die Anliegen und Methoden der Fachstelle Filme für eine Welt, deren Arbeit Dorothee Lanz vorstellte.

Anhand von Filmausschnitten und methodischen Hinweisen zeigte sie, wie Bilder unsere Vorstellungen prägen – beispielsweise die von Kriegen und Katastrophen beherrschte Berichterstattung unser Bild von Afrika – und wie Filme, die differenzierte und vielfältige Bilder zeichnen, diese auch wieder verändern können. Die Filme, die die Fachstelle jeweils mit Begleitmaterial (Grundlagen zu Ländern und Themen, methodische Anregungen und pädagogisches Material) verleiht oder verkauft, werden denn auch nach klaren Qualitätskriterien ausgewählt: Es sind Filme von Filmemachern und Regisseurinnen aus den Süden. Die Menschen aus dem Süden sind Protagonistinnen statt Statisten und kommen selber zu Wort. Die Filme zeigen Entwicklungsperspektiven und eröffnen Möglichkeiten der Verbindung vom Fremden zur eigenen Lebenswelt. Und selbstverständlich erzählen sie gute Geschichten in berührenden Bildern.

Auf der Homepage der Fachstelle Filme für eine Welt finden sich ein umfangreicher Katalog mit Suchmöglichkeiten nach verschiedenen Kriterien und Online-Bestellmöglichkeit sowie Hinweise auf aktuelle Kinofilme.

Der Abend war leider viel zu kurz, man hätte die angespielten Filme gerne zu Ende geschaut. So bleibt die Neugier auf die Fortsetzung der Geschichten – jener von Ellen Johnson Sirleaf der ersten demokratisch gewählten Staatspräsidentin eines afrikanischen Landes oder vom 14-jährigen Lisandro, der Arbeit, Schule und das Engagement in der Gewerkschaft arbeitender Kindern unter einen Hut bringen muss.

Informationen und Angebote auf der Homepage von Filme für eine Welt.

Zum Schluss noch einige Eindrücke von Teilnehmerinnen und Teilnehmern:

„Eines der ganz eindrücklichen Bilder für mich ist der verständnislose Blick der jungen Muslima, die ihre neue Klasse betrachtet, in der viele Jugendliche ihre Haare mit Tuch, Kappe oder sonst irgendwie bedecken.“ (zu: Hiyab, Das Kopftuch, Regie: Xavi Sala, Spanien 2005, 8 Minuten)

„Wichtig ist für mich der Hinweis, dass bei einem Dokumentarfilm die Betroffenen selber zu Wort kommen/sprechen und nicht ein Schauspieler vorverfasste Texte liesst, wie wir das oft im TV vorgeführt erhalten. So war die Not des nigerianischen Fischers gut spürbar.“ (Der Niger-Fluss stirbt. Regie: Adam Aborak Kandine, Niger 2006, 7 Minuten)

„Mich hat das Bild mit dem Jungen sehr beeindruckt, der mit einem Sack Brot in einem Dorf von Familie zu Familie geht und selber darüber spricht, wie er Kinderarbeit empfindet. Ebenso hat mich die Darstellung der Probleme im Alltag durch die einfache Filmgestaltung sehr beeindruckt.“ (Lisandro will arbeiten. Regie Manuel Fenn, D/Peru 2005, 30 Minuten)

„Menschen können durch den kurzen Einblick in das Leben anderer berührt werden, ohne grossen Aufwand. Die Art wie Frau Lanz die Filme eingeführt oder welche Ausschnitte sie ausgesucht hat, hat mir sehr entsprochen.“

„Die Auswahl der Filme, die verschiedene Themenbereiche betroffen haben, war gut und zeigte das Filmschaffen differenziert auf. Auch wie das Medium Film gut eingesetzt werden kann. Von jedem gezeigten Film sind mir noch einzelne Bilder im Kopf, also das Ziel, andere Bilder vom Süden zu zeigen, die nachhaltiger in Erinnerung bleiben, ist bei mir voll angekommen. Ich nehme für mich und die Kowe-Arbeit Impulse mit und werde mich für die Finanzierung von Hilfswerkprojekten, die mit Film arbeiten, einsetzen.“